Wiki ::: Aprikose

lateinischer Name: Prunus armeniaca

Die Aprikose (''Prunus armeniaca''), in Österreich und Südtirol nur Marille, gehört wie die Pflaume zur Untergattung ''Prunophora'' (''Prunus'' im engeren Sinne) der zu den Rosengewächsen zählenden Gattung ''Prunus.''

Beschreibung

  • Baum: Kleiner bis mittelgroßer Baum mit breiter, dichter Krone.
  • Blatt: Die Blätter sind herzförmig, zugespitzt und etwa 8 cm breit.
  • Blüte: Die Blüten sind weiß bis rosarot gefärbt.
  • Frucht: Die Früchte haben einen Samen - den Marillenkern (Stein), sind gelb bis orange gefärbt und manchmal sonnenseits mit roter Backe. Die Schale ist glatt und fast haarlos. Marillen reifen nach der Ernte nach, sie zählen zu den klimakterischen Früchten.

Pflege

Schnitt: Aprikosenbäume sollten in der Regel kaum geschnitten werden. Hauptsächlich die senkrecht aufschießenden Wassertriebe sollen entfernt werden. Der Zeitpunkt dafür sollte um die Blütezeit bzw. im Sommer bis spätestens zum Blattfall gewählt werden. Zu große Wunden am Stamm sind unbedingt zu vermeiden, starke Verzweigungen werden zuerst durch ableiten geschwächt, und dieser "Zapfen" erst später oder wenn möglich gar nicht entfernt. Die entstehenden Wunden sollten nach Möglichkeit umgehend mit "Baumpflaster" o.ä. verschlossen werden.

Bilder

Herkunft und Anbaugebiete

Die Aprikose stammt aus Nordost-China nahe der russischen Grenze, nicht aus Armenien, wie der botanische Name vermuten lässt. Sie erreichte Armenien erst nach dem 3000-jährigen Durchwandern Zentralasiens. Die Römer brachten sie schließlich 70 v. Chr. über Anatolien nach ganz Europa. Traditionelles Anbaugebiet für Aprikosen ist u.a. die ungarische Tiefebene. Die Türken besaßen zur Zeit ihrer Herrschaft über diese Ebene riesige Aprikosenplantagen, jedoch verödeten diese Gärten nach dem Abzug der Türken. Mit dem Obstanbau begann man in der Tiefebene erst wieder zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als sich diese Ebene aufgrund heftiger Sandstürme in eine einzige Sandwüste zu verwandeln drohte. Zum Binden des Flugsands erwiesen sich Aprikosenbäume als besonders geeignet, da sie nicht nur sandigen Boden sondern auch Hitze und Trockenheit vertragen. Heutzutage werden Aprikosen insbesondere in den Mittelmeerstaaten wie Italien und Spanien angebaut. Es gibt jedoch auch in nördlicher gelegenen Gebieten größeren Anbau dieser Früchte, u.a. in der österreichischen Wachau, im Südtiroler Vinschgau und im schweizerischen Kanton Wallis. Das weltweit größte Anbaugebiet für Aprikosen liegt in der osttürkischen Provinz Malatya am Oberlauf des Euphrat. Dort werden die süßen Aprikosen entsteint und als ganze Frucht getrocknet. Mittlerweile stammen ca. 95 % der in Europa gehandelten getrockneten Aprikosen aus Malatya. Seit einigen Jahren werden auch frische Früchte nach Europa exportiert. Die Vermehrung geschieht vorwiegend durch die Okulation.

Kulturelle Aspekte

In Europa wurden Aprikosen lange Zeit für Aphrodisiaka gehalten. In diesem Zusammenhang tauchen sie auch in William Shakespeares ''Ein Sommernachtstraum'' und John Websters ''Die Herzogin von Malfi'' auf. Die japanische Küche kennt eingelegte Aprikosen (Umeboshi), die über einen sehr langen Zeitraum genießbar bleiben. In China gilt die Aprikose als Symbol für ein junges Mädchen, aber auch für den Wunsch nach Kindern.

Sorten

  • Aprikose von Nancy
  • Bergeron
  • Große Frühaprikose
  • Hargrand
  • Heidesheimer Frühe
  • Königsaprikose
  • Luizet
  • Marena
  • Mombacher Frühe
  • Orangered
  • Temperao de Vila Franca
  • Ungarische Beste
  • Wachauer Marille
  • Vinschger Marille
  • Schmelzende von Gaweinstal
  • Niedersulzer Pfirsichmarille
  • Frühe Rosenmarille
  • Ananas-Marille
  • Alexandrinische schwarze Marille
  • Kuresia

Etymologie und andere Bezeichnungen

Das Wort ''Aprikose'' geht auf das lateinische ''praecox'' „frühreif“ zurück. Über das byzantinisch-griechische πρεκόκκια (''prekókkia'') gelangte das Wort ins Arabische (''al-barquq'') (heute auch ''mišmiš''), aus dem es wiederum mit dem vorangestellten Artikel ''al-'' in mehrere romanische Sprachen entlehnt wurde (pg. ''albricoque'', sp., fr. ''abricot''), und gelangte schließlich über diesen Weg in die meisten europäischen Sprachen. Der Wandel von ''Abri''- zu ''Apri-'', der sich im Deutschen, Englischen und Schwedischen vollzogen hat, mag teils lautliche Gründe haben, ist aber vermutlich auf eine Fehletymologie zurückzuführen, die das Wort mit lat. ''apricus'' „sonnig“ in Verbindung brachte. So findet sich beim englischen Lexikografen John Minsheu (1560 - 1627) die Herleitung ''in aprico coctus'' „sonnengereift“. Der klassisch-lateinische Name der Frucht, ''prunum Armeniacum'' oder auch ''malum Armeniacum'', also „armenischer Apfel“ bzw. „Pflaume“, hat sich in der botanischen Bezeichnung erhalten. Auch die Bezeichnung Marille, die in Österreich, Südtirol und Bayern vorherrscht, geht über italienisch ''armellino'' auf den lateinischen Namen der Frucht zurück.

Verwendung

Aus Marillen werden zum Beispiel Marillenknödel hergestellt. Marillenmarmelade ist unverzichtbarer Bestandteil der Sachertorte und wird unter anderem als Füllung der Faschingskrapfen verwendet. Ein großer Teil der Ernte wird auch zu Marillenschnaps gebrannt. Speziell in der Wachau wird die Marille gezogen und bildet neben dem Weinbau einen weiteren wichtigen Wirtschaftszweig. So handelt es sich bei der Wachauer Marille um eine durch die EU in Europa geschützte Ursprungsbezeichnung. Alljährlich wird in Krems an der Donau das Marillenfest gefeiert, wo es die verschiedensten Spezialitäten mit der Marille als wesentlichsten Bestandteil gibt. Jedes Jahr findet in Spitz an der Donau der Marillenkirtag statt. Der Samen liegt in dem Aprikosenstein und sieht aus wie eine kleine Mandel. Er schmeckt bitter und hat ein starkes Marzipan-Aroma. Deshalb kommt er bei der Herstellung von Amaretto zum Einsatz. Zerstoßen kann er zum Würzen süßer Speisen verwendet werden. Bei übermäßigem Verzehr allerdings sind Aprikosensamen giftig, da sie ca. 8 % blausäureabspaltendes Amygdalin enthält. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält den Verzehr von einem Samen pro Tag bei einem Erwachsenen für unbedenklich. Siehe dazu eine Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung vom 7.6.07 (PDF). Seine ihm nachgesagte Wunderwirkung im Kampf gegen Tumore ist in der Medizin allerdings äußerst umstritten.

Quellenangabe:

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