Wiki ::: Bauerngarten
Als Bauerngarten werden allgemein traditionelle, ländliche Gärten bezeichnet, die sich durch eine Vielfalt an Pflanzen auszeichnen. In der Regel werden Gemüse, Kräuter und Blumen, vor allem Stauden, nebeneinander angepflanzt.
Bauerngarten Hamburger Art
Der Bauerngarten im engeren Sinne ist eine seit Anfang des 20. Jahrhunderts mehr oder weniger verbreitete Gartenform. Der erste dieser Art wurde 1913 im botanischen Garten Hamburg mit dem Ziel errichtet, auf relativ kleiner Fläche eine Art 'Ideal' darzustellen und Pflanzen sowohl nach ihrer biologischen Kategorie (Kräuter, Gemüse, Obst etc.) als auch nach den Prinzipien der Ästhetik zu ordnen. Der ''Bauerngarten Hamburger Art'' zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:- die überwiegende Anpflanzung von Gemüse und Kräutern
- eine rechteckige oder quadratische Anlage mit einem Wegekreuz
- eine Einfriedung, meist durch einen Zaun, manchmal jedoch auch durch eine Mauer oder eine Hecke
Geschichte
Bauerngärten vor 1900 entsprachen oft nicht dem Bild, das im 20. Jahrhundert vom alten Bauerngarten vermittelt wurde. Manchmal reichten landwirtschaftliche Ackerflächen auch bis dicht ans Haus heran, oft mit eingestreutem Obst, oder es wurden Freiflächen für das häusliche Vieh vorbehalten. Eine lange Tradition hatten die Klostergärten und später die Gärten der Lehrer, Pastoren und Apotheker. Das Einkommen der Dorfschullehrer reichte selten aus, um ohne Nebenjob oder Gartenbau für den Eigenbedarf vernünftig leben zu können. Bei den Pastoren war es ähnlich. Sie konnten sich allerdings die Muße und das entsprechende Wissen leisten, um einen Garten halbwegs fachlich anzulegen. Und bei den Apothekern bestimmte das berufliche Interesse an den Heilkräutern das Gartenbild. Ähnlich wie der Bauerngarten im engeren Sinne waren die Gärten der Bauern deshalb auch schon vor 1900 zahlreichen Einflüssen durch die Gärten der Klöster, der Lehrer, Pastoren und Apotheker ausgesetzt. Eine einheitliche Form der Gartengestaltung gab es jedoch vor dem Versuch einer Rekonstruktion des idealen Bauerngartens im frühen 20. Jahrhundert nicht. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts, beim epochalen Übergang zum Industrie-Zeitalter, war es die Stadt und deren Bürgertum, die dem privaten Garten eine neue Bedeutung zukommen ließen. Dem einen war er das 'Idyll' mit reichlich Blumen, geschnittenen Hecken und der berühmten Gartenlaube, dem anderen war er wiederum Mittel zum Zweck, um sich mit Kräutern, Obst und Gemüse das Leben preiswerter zu gestalten. Angesichts zunehmender ''Verstädterung'' und dem Wachsen der Industrie, das auch mit zunehmender Umweltverschmutzung einherging, kam es zu regelrecht sozialen ''Gartenstadt-'' oder ''Schrebergarten-''Bewegungen. ''„Raus aufs Land !“'' hieß Anfang des 20. Jahrhunderts der Slogan engagierter Sozialdemokraten, die sich um das körperliche Wohl der Großstadtkinder sorgten. Was heutigen Kindern der 'Urlaub auf dem Bauernhof' sein mag, war damals das Lernen und Arbeiten im so genannten Schulgarten. Die Geschichte des Schulgartens lässt sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Zunächst diente er dem Studium einzelner Pflanzen. Erst seit Ende des 19. Jahrhunderts steht das gärtnerische Arbeiten der Schüler im Vordergrund. In einigen zeitgenössischen Fachzeitschriften wurden Pläne eines solchen Schulgartens veröffentlicht, die sich eindeutig am so genannten Dorfschullehrer-Garten orientieren, aber auch bereits den kreuzförmigen Weg oder ein bepflanztes Rondell zeigen ('Der praktische Ratgeber im Obst und Gartenbau'; Frankfurt/Oder 1888). Der ideelle Sprung von den ersten Entwürfen eines Schulgartens bis zum ''Hamburger Bauerngarten'' war kein großer und erscheint auch zeitlich (1913) konsequent. Seine historische Bedeutung aber ist und bleibt umstritten.Literatur
- Karin Hochegger: ''Der Bauerngarten'', Ulmer Stuttgart 2003.
- Janke/Dominka/Scholze: ''Der Dorfschullehrergarten'', Muesser Blätter des Freilichtmuseums Schwerin-Muess 2003.
- Hermann Kaiser (Hrsg.): ''Bauerngärten zwischen Weser und Ems'', 2. Aufl. Cloppenburg 2001.
- [http://www.garten-literatur.de/Blattwerk/bauerngarten.htm Literaturliste Bauerngärten]



