Wiki ::: Gartenerdbeere

lateinischer Name: Fragaria × ananassa

Die Gartenerdbeere (''Fragaria ×ananassa'' oder ''Fragaria ×magna''), Ananas-Erdbeere oder auch Kulturerdbeere ist die Nutzpflanze aus der Gattung der Erdbeeren. Sie entstand im 18. Jahrhundert in Europa aus der Kreuzung der beiden amerikanischen Erdbeerarten ''Fragaria chiloensis'' (Chile-Erdbeere) und ''Fragaria virginiana'' (Scharlacherdbeere). Im Anbau befinden sich über hundert Sorten, von denen etwa dreißig im Erwerbsobstbau Bedeutung haben. Man unterscheidet einmal- und immertragende (z. B. „Elan“) Sorten. Bei letzteren verteilt sich die Ernte über einen längeren Zeitraum. Neben diesen Sorten gibt es weitere Sorten, die insbesondere bei Hobby-Gärtnern sehr beliebt sind – zumindest teilweise handelt es sich dabei aber um Kreuzungen zwischen Gartenerdbeere und anderen Erdbeeren: Die „Hänge-Erdbeere“ wird im Gewächshaus herangezogen und mit Sorten wie „Florika“ oder „Rügen“ kann man sich gar eine „Erdbeerwiese“ an Wegen und Gehölzrändern entlang anlegen. Schließlich gibt es noch „Klettererdbeeren“, die an Zäunen, Pfählen usw. aufgebunden im Hochsommer blühen und reichlich Früchte tragen. Auch „Erdbeerbäumchen“ werden heute angeboten.

Bilder

Sorten

Populäre Sorten der Gartenerdbeere sind:
  • Darselect (große, wohlschmeckende Früchte)
  • Elsanta (großfruchtig, besonders fest, gut zum Einfrieren geeignet)
  • Florence (Spätsorte, große Frucht, Geschmack mäßig)
  • Fraroma (früh, mittel-große Frucht, Geschmack sehr Aromatisch)
  • Honeoye (reift sehr früh, kräftig rote Früchte)
  • Korona (wohlschmeckend, besonders große Früchte)
  • Polka (frühe Sorte, sehr guter Geschmack, mittlere Fruchtgröße)
  • Symphony (große bis mittelgroße Früchte, mittelrote Farbe, aromatisch)
  • Thuriga (große, leuchtend rote Früchte mit gutem Geschmack)
Folgende Sorten haben in der Vergangenheit einen hohen Bekanntheitsgrad erlangt, wurden aber von neueren Sorten verdrängt. Sie werden heute fast nur noch in Hausgärten angebaut:
  • Senga Sengana (mittelfrüh reifend mit mittelgroßen, dunkelroten Früchten – eine bewährte Sorte mit besten Eigenschaften zum Einkochen und Einfrosten)
  • Mieze Schindler (Spätsorte mit kleinen, dunkelroten, hocharomatischen Früchten)
  • Tenira (Spätsorte mit intensiv roten und großen Früchten)
  • Elvira (große, sattrote Beeren, reift früh)

Abstammung

Die Gartenerdbeere entstand im 18. Jahrhundert in Europa aus der Kreuzung der beiden amerikanischen Arten ''Fragaria chiloensis'' (Chile-Erdbeere) und ''Fragaria virginiana'' (Scharlacherdbeere). Sie ist genau wie ihre Stammarten oktoploid (8n=56). Der Chromosensatz hat die Zusammsetzung AAA'A'BBB'B', wobei die A-Chromosomensätze den Chromosomensätzen der Walderdbeere verwandt sind und die B-Chromosensätze mit der ''Fragaria iinumae'' verwandt sind. Wann und wo die Oktoploidie der Ausgangsarten entstand, ist unbekannt. Aus der Urform der Gartenerdbeere wurden viele Sorten gezüchtet. ''Fragaria × vescana'' ist eine Kreuzung der Gartenerdbeere mit der Walderdbeere und zehnfachen Chromosomensatz.

Anbau und Erntezeit

Der kommerzielle Anbau in Deutschland begann um das Jahr 1840 in der Nähe von Baden-Baden. Etwa 1.000 Sorten stehen den Anbaubetrieben zur Verfügung, nur wenige entsprechen jedoch den Anforderungen des Handels, der Wert auf große und ansehnliche Früchte legt, die transportfähig und nur wenig anfällig gegenüber Grauschimmelfäule sind. Die Haupternte der Erdbeeren findet in Mitteleuropa in den Monaten Mai und Juni statt, allerdings lassen sich bereits im März Gewächshauserdbeeren aus Spanien kaufen. Bei Hobbygärtnern hat sich außerdem die sogenannte Monatserdbeere durchgesetzt. Diese blüht und fruchtet von Mai bis Oktober und wird deshalb auch als „immertragende“ Erdbeere bezeichnet.

Standortanforderungen

Für ein gesundes Gedeihen benötigen Erdbeeren einen vollsonnigen und windgeschützten Standort. Da die Blüten sich nach dem Ende der Kälteperiode entwickeln, sind sie durch Spätfrost stark gefährdet. Optimale Bedingungen bieten Erdbeeren ein tiefgründiger und gut durchlässiger Boden. Er sollte humos und nährstoffreich sein. Besonders förderlich ist ein leicht saurer Boden mit einem pH-Wert zwischen 5,5 und 6,5.

Nachbarn in der Mischkultur

Pflanzen vertragen sich mit unterschiedlichen Nachbarn, die direkt angrenzend wachsen unterschiedlich gut: Gute Nachbarn
  • Borretsch
  • Buschbohne
  • Knoblauch
  • Kopfsalat
  • Radieschen
  • Schnittlauch
  • Spinat
  • Zwiebeln
  • Porree
Schlechte Nachbarn
  • Kohl

Verwendung als Nahrungsmittel

Erdbeeren sind pflückreif und genießbar, wenn mindestens zwei Drittel der Fruchtoberfläche rot gefärbt ist. Ihr voller Geschmack entwickelt sich jedoch nur, wenn sie ausgereift gepflückt werden. Zu einer Nachreife kommt es bei Erdbeeren nicht mehr. Idealerweise werden sie unmittelbar nach dem Abpflücken verzehrt. Erdbeeren sind nur eingeschränkt transportfähig, da sie sehr druckempfindlich und anfällig für Schimmelpilze sind. Im Kühlschrank können sie bei zwei bis 6 Grad Celsius etwa ein bis zwei Tage gelagert werden. Bei Temperaturen zwischen 0 und zwei Grad sind sie bis zu fünf Tage haltbar. Zu ihrer Verarbeitung werden sie gewaschen, bevor Stiele und Blätter entfernt werden, da der Kontakt mit Wasser dazu führt, dass sie Aroma verlieren. Werden sie mit Zucker bestreut, darf das erst kurz vor dem Servieren geschiehen, da sie dadurch sehr viel Saft ziehen und weich werden. Eine große Rolle spielen Erdbeeren bei der Herstellung von Marmeladen. Zu den klassischen Kombinationen gehören Süßspeisen, bei denen Rhabarber und Erdbeeren gemeinsam verarbeitet werden. Auch Bananen und Erdbeeren ergänzen sich geschmacklich.

Die Früchte

Erdbeeren enthalten mehr Vitamin C als Orangen und Zitronen. Darüber hinaus ist sie reich an Folsäure, Kalzium, Magnesium und Eisen. Weil Erdbeeren sehr kalorienarm sind, gelten sie als „Schlankmacher“. Fast ganzjährig sind die Früchte heute im Handel erhältlich. Im Herbst und Winter kommen frische Erdbeeren aus Israel, Ägypten und Übersee zu uns, ab Februar aus Spanien und Marokko, ab März aus Italien und Frankreich.

Natürliches Erdbeeraroma

In sehr vielen Lebensmittelprodukten mit Erdbeergeschmack, wie beispielsweise Erdbeerjoghurt oder Erdbeerfrüchtetee, wird aus Kosten- und Geschmacksintensivierungsgründen der Geschmack durch beigemischte Aromen verstärkt und den Wünschen des Verbrauchers angepasst. Aromazubereitungen mit Erdbeergeschmack können mit unterschiedlichsten Verfahren hergestellt werden. Dazu gehört auch ein Verfahren, das Sägespäne als Ausgangsprodukt verwendet. Als ''natürliche Aromen'' dürfen laut Aromaverordnung nur solche bezeichnet werden, „wenn die aromatisierenden Bestandteile des Aromas ausschließlich aus natürlichen Aromastoffen oder Aromaextrakten bestehen“ - also aus irgendeinem biologischen Organismus. „Natürliches Erdbeeraroma“ muss aber im Sinne des Gesetzes nicht aus Erdbeeren gewonnen werden, was für viele Verbraucher irreführend ist. Erdbeeren oder Erdbeerfruchtzubereitungen (Fruchtmischung mit geringem Erdbeeranteil) werden häufig nur in geringer Menge zugesetzt. Erdbeeraroma kann auch als Extrakt aus Erdbeerfrüchten gewonnen werden. Es besteht aus mehr als 300 Komponenten, unter denen sich über 90 Carbonsäureester, 30 Carbonsäuren, ca. 20 Acetale, ca. 40 Alkohole sowie Ketone, Aldehyde, Kohlenwasserstoffe und selbst einige Schwefelverbindungen befinden. Allerdings würde die gesamte Erdbeerernte den Bedarf an Erdbeeraromastoffen nicht decken können und Erdbeerjoghurt wäre unerschwinglich. Ein Beispiel für eine synthetische chemische Substanz mit starkem Erdbeeraroma ist der "Erdbeeraldehyd" (Ethyl-methylphenylglycidat, 2,3-Epoxy-3-methyl-3-phenylpropansäure-ethylester).

Erdbeer-Züchtung

Neue Erdbeersorten werden in Deutschland in staatlicher Obhut am Institut für Obstzüchtung Dresden-Pillnitz gezüchtet. Eine der jüngsten Errungenschaften ist die Sorte Mieze Nova, die auf die bekannte Sorte Mieze Schindler zurückgeht, allerdings zweigeschlechtlich ist und stärke Resistenzen gegenüber Krankheitserregern ausweist. Geschmack, Krankheitsresitenz, Fruchtfestigkeit, Ertrag und Trockenmasse sind die wichtigsten Selektionskriterien. Im allgemeinen stellt Erdbeerzüchtung hohe Anforderungen an den Züchter, weil die Diversität der Nachkomnenschaft im Vergleich zu anderen Kulturpflanzen sehr hoch ist.

Quellenangabe:

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