Wiki ::: Naturgarten

Von Naturgarten (korrekterweise "naturnaher" Garten, manchmal auch "Ökogarten") spricht man, wenn ein Garten neben der ästhetischen Funktion naturnah konzipiert und realisiert wird mit möglichst einheimischen Pflanzen, bzw. solchen, die der Tierwelt - Schmetterlingen, Käfern, Vögeln, Igel und andere Kleinlebewesen - artenreiche Lebensräume bietet. Er wird nach den Grundsätzen und Richtlinien des Naturgartenbaues geplant, angelegt und gepflegt. Dazu gehören unter anderem eine möglichst umfassende Begrünung mit heimischen Wildpflanzen, unversiegelte Zufahrten, begrünte Wege und Plätze, Mauern aus Naturstein oder Recyclingmaterialien. Auch die Nutzung natürlichen Regenwassers als Erlebnis- oder Spielelement wird angestrebt, etwa durch Feuchtbiotope wie Sumpfgraben, Wasserspielgraben, Feuchtwiese, Natur- oder Schwimmteich. Ein Naturgarten wird regelmäßig gepflegt. Eine ungemähte Wiese und Wildwuchs stellen noch keinen Naturgarten dar, wenn auch spontane Vegetation begrenzt zugelassen wird!

Um die Artenvielfalt zu fördern, sollte der Naturgarten nach Möglichkeit verschiedene Lebensräume bieten, die ganz bewusst mit passenden heimischen Wildpflanzen bepflanzt oder besät werden sollten. Zur Bepflanzung gehören Wildblumenbeete in der Sonne wie im Schatten, an feuchten oder trockenen Plätzen, mager oder nährstoffreich. Außerdem Zwiebeln und Knollen, Klein- und Großgehölzhecken, Wildblumensäume, Blumenwiesen, Blumenkräuterrasen und Blumenschotterrasen. Es geht beim Naturgarten im besonderen um dauerhafte, langlebige und erfolgreiche Nachhaltige Ansaaten und Pflanzungen mit heimischen Arten, die wenig Pflege benötigen. Eine besonders artenreiche Flora gedeiht auf trockenen, nährstoffarmen Böden. Durch die Überdüngung sind jedoch sich schnell ausbreitende Pflanzen wie Löwenzahn und Brennnessel im Vorteil. Um dem Boden Nährstoffe zu entziehen, ist es deshalb empfehlenswert Sand oder Kies einzuarbeiten.
Im naturnahen Garten haben Unkrautgifte, chemische Düngungsmittel und Schneckengifte nichts verloren, aber ein Komposthaufen, eine Regentonne, Unterschlupfmöglichkeiten für Bodentiere, sowie Nisthilfen für Vögel und Wildbienen, ein Totholzhaufen für Kleinlebewesen, eine Trockenmauer, ein Teich gehören dazu.
Oft wird auch eine Kräuterspirale angelegt, das Dach oder Wände begrünt. Versiegelte Flächen werden möglichst gering gehalten, um die Wasserdurchlässigkeit zu erhalten. Ein Naturgarten leistet einen kleinen Beitrag zum Umwelt- und Naturschutz.

In einer Welt, die immer mehr von Technik regiert wird, kann solch ein naturnaher Ziergarten, wie der auf Obst, Gemüse und Blumen eher nutzungsorientiert ausgerichtete Biogarten, eine Oase für die bedrohte Natur in unserer "aufgeräumten" Kulturlandschaft sein, der die Sinne anspricht: es duftet nach frischer Erde, ätherischen Ölen, Blättern und Blüten, man erntet mit Wildobst und Wildgemüse Leckeres für die Küche, der Hörsinn freut sich an Vogelgezwitscher, Heuschreckengezirpe und Hummelbrummen. Ein naturnaher Garten ist eigentlich automatisch ein kinderfreundlicher Garten mit Naturerlebnisräumen, denn besonders Kindern macht es Spaß, hier noch ein Stück Natur hautnah erleben zu können.

Literatur

  • Ulrich Klausnitzer: ''Biotope im Garten''
  • Fritz Hilgenstock, Reinhard Witt: ''Naturgarten-Baubuch''. Callwey, München 2003
  • Marie Luise Kreuter: ''Der Biogarten''. 360 S., BLV, München 2000
  • Manfred Pappler, Reinhard Witt: ''Natur-Erlebnis-Räume. Neue Wege für Schulhöfe, Kindergärten und Spielplätze''. Kallmeyer Verl., Seelze-Velber 2001, ISBN 3-7800-5268-7.
  • Reinhard Witt: ''Der NaturGarten - lebendig, schön, pflegeleicht. Pflanzvorschläge für alle Standorte''. BLV, München 2001
  • Reinhard Witt: ''Nachhaltige Pflanzungen und Ansaaten. Kräuter, Stauden und Sträucher. Für Jahrzehnte erfolgreich gärtnern. Naturnah, praktisch, neu. Mit Unkräuter-Lexikon''. NaturGarten, Ottenhofen 2006, ISBN 3-00-017707-8.

Quellenangabe:

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