Wiki ::: Transitorischer Garten
Ein Transitorischer Garten oder Temporärer Garten ist, ganz allgemein gesagt, ein Garten, der von vornherein nur vorübergehend angelegt wird. Prinzipiell ist ein Garten bzw. seine lebenden Bestandteile zwar immer ein sich im Lauf der Jahreszeiten wandelndes, wachsendes und wieder vergehendes Werk, ein transitorischer Garten aber besteht bewusst und absichtlich nur für eine mehr oder weniger begrenzte Zeit.
Es ist jedoch oft kein Garten im traditionellen Sinn, sondern ein auf unterschiedlichste Weise mehr oder weniger intensiv begrünter Ort bzw. (Außen- oder Innen-)Raum. Dieser Ort oder Raum ist häufig auch gar nicht für eine dauerhafte Begrünung geeignet, manchmal ist er selbst nur vorübergehend existent.
Hintergrund
Die Veränderungen der modernen westlichen Gesellschaft in Richtung „Deregulierung“, “Flexibilisierung“, “Mobilisierung“, “Befristung“, “Zeitarbeit“, “Denken in Prozessen“, “just in time“ usw. bringt eine Zunahme temporärer Nutzungen von Orten und Räumen mit sich. Dies spiegelt sich in der künstlerischen Reflexion als auch in den grünplanerischen Möglichkeiten wider, worauf die transitorischen Gärten eine der möglichen Antworten sind. Der transitorische Charakter kann eine pragmatische Methode sein, Begrünungen überhaupt erst rechtlich zu ermöglichen (als "Ausnahme", "Testprojekt", "lieber vorübergehend als gar nicht" o.ä.), oder die Vermittlung bzw. Akzeptanz von Kunst zu erhöhen ("Gewöhnungseffekt" oder Hoffen auf einen Meinungsumschwung, wenn das Objekt erst einmal da ist und wirkt): ''„Das nur vorübergehend auf der Straße gezeigte Werk überzeugt noch die größten Skeptiker. Man braucht ihnen nur zu sagen, dass sie nicht lange zu leiden haben werden.“'' (Daniel Buren, 1997).Abgrenzung
- Meist versteht man unter dem Begriff "transitorische Gärten" solche, die im Rahmen einer Kunstaktion im mehr oder weniger ''öffentlichen Raum'' entstehen, z.B. als Installation, Intervention. Seit Mitte der 1990er Jahre werden auch von Landschaftsplanern transitorische Begrünungsprojekte im öffentlichen Raum als "Zwischennutzung" entworfen, sozusagen "wie der Nylonstrumpf als Keilriemenersatz" dient, nicht selten ebenfalls in Form einer Kunstaktion. Häufig ist den transitorischen Gärten ein experimenteller oder provisorischer Charakter zu eigen. Provisorien können allerdings erfahrungsgemäss recht langlebig sein.
- Zunehmend gibt es auch ''private'' Gärten, die aus beruflichen, finanziellen oder anderen Gründen von vornherein nur befristet und provisorisch ausgestaltet sind. Ein altbekanntes Beispiel sind Kleingärten auf Bauerwartungsland. Auswirkungen kann dies verschiedene haben: Da keine Zeit für das Wachsenlassen ist, wird evtl. mit Rollrasen und Großpflanzen gearbeitet, die nicht frei im Boden wachsen, sondern in mobilen Pflanzgefäßen, so dass sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder entfernt werden können. Oder der Garten wird nicht ausgefeilt gestaltet, sondern nur behelfsmäßig mit preiswerten, wenig langlebigen Materialien.
- Im weiteren Sinn sind auch ''Ausstellungsgärten'' (z.B. auf Gartenbauausstellungen oder einer Gartenmesse), wechselnde Schaugärten von Gärtnereien oder Gartencentern, transitorische Gärten.
- entweder nur eine einmalige, nicht wiederkehrende Aktion,
- oder werden zwar mehr oder weniger regelmäßig, dann jedoch in völlig anderer Gestalt oder an einem anderen Ort angelegt.
Bundesrepublik Deutschland
- ''„Transitorische Gärten“'' im Tagebaurestloch Golpa-Nord. (siehe auch: Ferropolis)
- ''„Jahrtausend Feld“'' in Leipzig
- ''„zwischengrün“'' in Leipzig, jährlich seit 2001
- ''„SET-OST“''. Temporäre Installationen auf dem Gelände der EXPO 2000, Hannover
Schweiz
- ''„Jardins de passage“'', Lausanne
Literatur
- Florian Haydn, Robert Temel (Hrsg.) Temporäre Räume - Konzepte zur Stadtnutzung, Birkhäuser 2006 ISBN 3-7643-7459-4
- Christa Kamleithner, Rudolf Kohoutek''Temporäre Nutzungen, Deregulierung und Urbanität''; in: dérive - Zeitschrift für Stadtforschung, Nr. 14, S. 12–15, 2004
- Margit Schild: ''Verschwindendes. Temporäre Installationen in der Landschafts- und Freiraumplanung. Ein Beitrag zu Diskussion''. Beiträge zur räumlichen Planung, Heft 79, Schriftenreihe der Fakultät für Architektur und Landschaft der Universität Hannover, Hannover 2005
- Margit Schild: ''Formen des Verschwindens. Vom „Wesen“ intentional befristeter Projekte'', in: POLIS, 2/2004, 16. Jahrgang, S. 22-25
- Margit Schild: ''SET-OST. Temporäre Installationen auf dem ehemaligen Expo-Gelände'', in: Stadt und Grün Nr. 12, S. 22–25, 2002
- Bertram Weisshaar: ''Transitorische Gärten. Gartenexperimente in dem Braunkohletagebau Golpa-Nord'', Institut f. Stadt- und Landschaftsplanung der Gesamthochschule Kassel, Arbeitsberichte A122, 1997, ISBN 3-89117-097-1
- Thomas Schulze, Antje Oegel, René Reinhardt (Hrsg.): ''Das Jahrtausend Feld. Eine realisierte Utopie. Ein Projekt der Schaubühne Lindenfels'', Altenburg, 2001
